Der königliche Weinberg “La Vigna del Ventaglio”.

Die Weinherstellung ist eine sehr alte Tradition in Kampanien, die auf die Zeit vor der griechischen Kolonisierung (VIII. Jhd. v. Chr.) zurückgeht und auch für die Bourbonen eine authentische Leidenschaft darstellte. Diese legten gegen Mitte des 18. Jahrhunderts in San Leucio, in unmittelbarer Nähe ihrer Sommerresidenz in Caserta, einen Versuchsweinberg an („La Real Vigna del Ventaglio“). Hier waren die verschiedenen Rebsorten fächerförmig so angelegt, dass sie jeweils die besten klimatischen Bedingungen für die Herstellung der Weine genossen.

Die jährliche Produktion belief sich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts auf circa 80 Fässer und der Weinberg befand sich süd-östlich vom heutigen Monte S. Leucio, zwischen dem Belvedere und S. Silvestro. Er war im Halbkreis angelegt und in zehn Fächerspeichen oder Abschnitte eingeteilt.

Jeder vom Zentrum ausgehende Abschnitt enthielt unterschiedliche Weinreben und war jeweils mit einem kleinen Zugangstürchen und einem Travertin-Stein versehen, in den der Name der Rebsorte eingemeißelt war.

Cavalier Sancio beschreibt die Vigna del Ventaglio im Jahr 1826 wie folgt: «Natur, Wesen und abfallende Lage des Terrains machten diesen Ort zum Anbau von Weinreben bestens geeignet. Vor ungefähr 50 Jahren wurde bestimmt, den Weinberg auf einem von der Familie Panaro erstandenen Besitz einzurichten, wie hier auch auf Blatt 43 von uns vermerkt worden ist.

Die Anlage des Weinbergs ist einzigartig, wie den im Kartenband enthaltenen Tafeln zu entnehmen ist. Er bildet einen Halbkreis, in zehn Speichen eingeteilt, und ähnelt damit einem Fächer, woher auch sein Name stammt. Jeder von der Mitte ausgehende Abschnitt, an dem sich ein kleines Eingangstörchen befindet, enthält die Reben einer besonderen Art, gekennzeichnet durch einen Steinblock aus Travertin. […] Die Reben sind niedrig gehalten, nach italienische Brauch, und es sind ca. 10.000.

Es befindet sich in diesem Weinberg kein einziger Baum, noch irgend eine andere Form des Anbaus, und es werden keine anderen Techniken verwandt, als die für die Reben geeigneten, also dreimal Umhacken, Gründüngung mit Saubohnen u. ä.

Am Gipfel des Weinberges, wenige Meter außerhalb seiner Abgrenzung befindet sich eine große Scheune mit Sitzgelegenheiten, von Pflanzen umgeben, die 1828 erbaut worden war, um der königlichen Familie Gelegenheit zum Ausruhen zu geben.